Die Literaturwissenschaft und der Spatial Turn am Beispiel von Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte Die Hundeblume

Authors

  • Kamelia Gantrisia University of Padjadjaran

DOI:

https://doi.org/10.63011/ikonig.v1i1.49

Keywords:

Kurzgeschichte, Lotmans Sujet, Spatial Turn, Wolfgang Borchert

Abstract

Der Gegenstand dieses vorliegenden Beitrags soll die Kurzgeschichte der Trümmerliteratur Die Hundeblume von Wolfgang Borchert sein, dessen Kurzgeschichten eine herausragende Rolle in der Nachkriegsliteratur einnimmt und in der literaturwissenschaftlichen Forschung weit rezipiert werden. Die Kurzgeschichte Die Hundeblume zeichnet sich durch kurze Szenen und fragmentarische Erzählweise aus, die die zerstörte Welt und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Psyche inmitten der Trümmer auf individueller Ebene beleuchtet. Sie entstand 1946 während Borcherts Behandlung im Krankenhaus. Es ist anzunehmen, dass diese Geschichte seine Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg und auch seine Zeit als Kriegsgefangener im NS-Militärgefängnis Berlin-Moabit widerspiegelt. Diese Tendenz führt dazu, dass die Studie und Forschung von Borcherts Kurzgeschichten stark auf biografische und historische Aspekte des Autors fokussieren und dass bestimmte Aspekte der Erzählung vernachlässigt werden. Dieser Beitrag zeigt, dass Raumkonzepte, die aus der transdisziplinären Raumdebatte Spatial Turn hervorgehen, produktiver sind, um Borcherts einzigartigen Stil zu verstehen. Er konzentriert sich dabei auf die räumliche Struktur im ausgewählten Text. Als methodisches Vorgehen dient das von Jurij M. Lotman entwickelte Modell des Sujets (1973 & 1977), das die Wechselwirkung zwischen Individuum und seiner kulturellen Umgebung betont und annimmt, dass die räumliche Struktur der fiktionalen Welt im Text die Struktur der mit ihr verbundenen Weltanschauung darstellt. Durch diesen Ansatz hat dieser Beitrag zum Ziel, Borcherts Kurzgeschichten aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und neue Perspektive auf seine Werke zu eröffnen.

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Published

2024-12-19