Vom Orchideen- zum Bonsai-Fach: Kritische Bestandsaufnahme und Entwicklungsmöglichkeiten der Germanistik in Thailand
DOI:
https://doi.org/10.63011/ikonig.v1i1.44Keywords:
DaF, Thailand, Südostasien, Hochschulpolitik, demografischer WandelAbstract
Seit gut 100 Jahren haben thailändische Studierende die Möglichkeit, Deutsch auf universitärer Ebene zu studieren, in der ersten Phase als Neben- und Wahlfach und dann im Kontext der darauffolgenden Bemühungen zum Ausbau des Faches in Thailand zwischen den 1970er-1990er Jahren als Hauptfach im Bachelorstudiengang an großen staatlichen Universitäten. 1974 entstand der erste Masterstudiengang für Germanistik an der Chulalongkorn Universität und 1999 der Masterstudiengang für Deutsch als Fremdsprache an der Ramkhamhaeng Universität. Seit 2006 ist auch eine Promotion an der Chulalongkorn Universität möglich, wobei sie die einzige Hochschule in Südostasien ist, die einen Promotionsstudiengang in der Germanistik anbietet. Während die Bachelorstudiengänge für Deutsch an thailändischen Hochschulen in relativ stabiler Lage verbleiben, findet das „Vorzeigeprojekt“ Promotionsstudiengang bisher aus verschiedenen Gründen wenig Resonanz. Außerdem lässt sich in den letzten fünf Jahren die Tendenz beobachten, dass die Zahl der Studierenden in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern und insbesondere in Graduiertenstudiengängen rückläufig ist. Im Endeffekt führt dies zu folgenschweren administrativen und akademischen Entscheidungen seitens Fakultäts- und Universitätsverwaltungen wie z. B. Budgetkürzungen, Stellenstreichungen oder der Zusammenlegung der Studiengänge in den Abteilungen für westliche zweite Fremdsprachen. Einige Abteilungen für Germanistik in Thailand versuchen sich aus dieser angespannten Lage zu retten, indem sie ihr Fachprofil mit berufssprachlichen und -bezogenen Studienelementen erweitern, was wegen begrenzten Fachpersonals und Sprachkompetenzniveaus von Studierenden nur bedingt gelungen ist. Andere befolgen – aus legitimen Gründen – in wesentlichen Zügen noch das „Ideal“ der Germanistik im philologischen Sinne. Der Beitrag hat sich zum Ziel gesetzt, die oben genannten gesellschaftlichen, hochschulpolitischen und fachspezifischen (Fehl-)Entwicklungen zu durchleuchten und tragfähige Perspektiven der Erneuerung des Faches aufzuzeigen, die das „Bonsai-Fach“ Germanistik wieder zum Gedeihen bringen.
References
Verwendete Literatur
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